| Die
erste Kapelle
1714 verspricht Ludwig XIV. die Ausgaben einer
neuen Gemeinde zu „tragen“. Dieses Versprechen wird
jedoch erst unter Ludwig XV. eingelöst. Zwischen der rue
d’Anjou und der rue des Tournelles, entlang der rue de Satory
entsteht eine vorläufige, dem Heiligen Ludwig (Saint-Louis)
gewidmete Kapelle. Sie wird 1727 eingeweiht und zuerst als einfache
Filiale von Notre-Dame betrachtet.
Monseigneur Karl von Ventimiglia, Erzbischof von
Paris, erklärt sie im Jahre 1730 zur freien und unabhängigen
Gemeinde. Doch erweist sich das Fassungsvermögen dieser Kapelle
bald als für die Bevölkerung des Viertels ungenügend.
Robert de Cotte, oberster Architekt des Königs, wird mit
dem Projekt einer großen Kirche beauftragt, die das Pendant
zu der 1684 von Jules Hardouin-Mansart erbauten Notre-Dame-Kirche
bilden soll. Der Architekt erstellt Pläne, doch kommt es
aus ungeklärten Gründen, wahrscheinlich finanzieller
Art, nicht sofort zu deren Ausführung.
Die Kirche des heiligen Ludwig
(Saint-Louis)
Nach dem Tode von Robert de Cotte im Jahre 1635
soll Jacques Hardouin-Mansart von Sagonne, der letzte Vertreter
der berühmten Architektendynastie und Enkel von Jules Hardouin-Mansart,
das Projekt übernehmen : die Bauarbeiten können endlich
beginnen.
Bei einer von Monseigneur Karl von Ventimiglia, dem Erzbischof
von Paris am 12. Juni 1743 gehaltenen Feier, setzt der König
den Grundstein des Gebäudes. In Begleitung des Kronprinzen
legt er selbst eine Gold- und vier Silbermedaillen in einen unter
der ersten Säule des Heiligtums auf der Evangeliumsseite
ausgehobenen Hohlraum. Daraufhin begibt sich Ludwig XV. in den
Hof eines Hauses der rue des Tournelles um „ein kleines
Modell, das Herr Mansart von der Ludwigskirche angefertigt hat,
und das sehr genau und detailliert ist, zu betrachten“ und
zieht sich befriedigt zurück. Die Bauarbeiten dauern zehn
Jahre; sie werden von den Verwaltungen finanziert, deren Kasse
den Ertrag unbesetzter Kirchengüter einzieht.
Die Einweihung findet am 24. August 1754 ohne die Königsfamilie
statt : am Vortag hat die Kronprinzessin Marie Josèphe
von Sachsen einen Sohn auf die Welt gebracht, den zukünftigen
Ludwig XVI.
Am nächsten Tag , dem 25. August, wird das
erste Patronatsfest des Heiligen Ludwig feierlich begangen.
1755 stiftet der König sechs Glocken deren Namen und Taufpatinnen
im Gemeinderegister bekannt sind.
Die ehemalige Kirche wird 1760 abgerissen und
an ihrer Stelle entsteht das Pfarrhaus. Seine Ausmaße sind
durch die Anzahl der im Dienste der Ludwigskirche stehenden Kleriker
bedingt. Die Gemeinde wird in dieser Zeit von Priestern der Missionskongregation
des Vinzenz von Paul, den Lazaristen, betreut.
Die Verwaltungen beauftragen ihren Architekten Louis-François
Trouard im Jahre 1764 mit der Vervollständigung der Innenausstattung
und dem Bau einer Kapelle für den Religionsunterricht.
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